Ein Helm für die Ukraine
(13. Februar 2026)
Auch in Zeiten ubiquitärer Olympiabegeisterung gelangen olympische Nachrichten selten auf den Platz der Topmeldung einer Nachrichtensendung, die sich wie die ARD-tagesthemen als eine Art Flaggschiff des politischen Journalismus versteht. Dorthin schaffte es am 12. Februar die Nachricht, dass der ukrainische Skeleton-Sportler Wladyslaw Heraskewytsch durch das Internationale Olympischen Komitee (IOC) vom Wettbewerb ausgeschlossen wurde, weil er sich geweigert hatte, auf einen Helm zu verzichten, der die Abbilder von ca. 20 ukrainischen Sportlern trug, die im Ukrainekrieg ums Leben gekommen sind.
„Ist das Erinnern an Kriegsopfer eine politische Meinungsäußerung oder nicht, das ist die Frage die im Zentrum der ersten großen Kontroverser dieser olympischen Spiele in Italien steht“, leitete Moderator Zamperoni den Beitrag ein. „Die olympischen Regularien, die verbieten zwar politische Botschaften während eines laufenden olympischen Wettbewerbs, aber ist das wirklich so trennscharf…?“
Ja, Herr Zamperoni, das ist wirklich so trennscharf. Es handelt sich bei der Anwendung der „Olympischen Charta“ um eine juristische Entscheidung, und zum Wesensmerkmal juristischer Entscheidungen gehört nun einmal die Trennschärfe. Anzuwenden war hier Regel 50 der Olympischen Charta, die wie folgt lautet:
„Jede Demonstration oder politische, religiöse oder rassische Propaganda ist an den olympischen Stätten, Austragungsorten oder in anderen olympischen Bereichen untersagt.“
Die entscheidende und deshalb trennscharf zu entscheidende Frage war danach einzig und allein, ob es sich bei dem Tragen des wie beschrieben bebilderten Helm um „politische Propaganda“ handelt.
Dies hat das IOC bejaht, woraus sich die zwingende Folge ergab, dass Heraskewytsch, der zu einem Verzicht auf das Tragen dieses Helms (wie auch zu angebotenen Kompromiss-lösungen) nicht bereit war, vom Wettbewerb ausgeschlossen wurde.
Natürlich ist Heraskewytsch nicht einverstanden: „Dieser Helm verletzt keine Regeln. Denn wenn es nach Regel 50 geht: Wir haben hier keine politische Propaganda.“ Er verweist, unterstützt dabei etwa auch von der ARD sportschau, darauf, dass auch ein US-Eiskunstläufer ein Foto seiner verstorbenen Eltern, eine andere Sportlerin den Namen eines verstorbenen Teamkameraden auf der Rückseite ihres Helmes gezeigt habe. Und dann wird auch noch auf die Siegerehrung bei den olympischen Spielen 2008 in Peking bemüht, bei der der Gewichtheber Matthias Steiner ein Foto seiner verstorbenen Ehefrau gezeigt hat, ohne sanktioniert zu werden.
Natürlich hat das IOC auf der Grundlage der Regel 50 richtig entschieden.
Heraskewytsch wollte nicht irgendeiner Trauer um verstorbene Sportler Ausdruck verleihen, er wollte gegen den Krieg in der Ukraine (die gezeigten Athleten sind erklärtermaßen im Krieg gestorben!) aufmerksam machen und natürlich gegen Russland protestieren und dazu die Bühne der olympischen Spiele nutzen. Allein deshalb hat der Ausschluss ja auch den ukrainischen Präsidentendarsteller Selenski auf den Plan gerufen. Und wenn es noch der Beseitigung letzter Zweifel bedurft hätte, so hat sie Heraskewytsch selbst geliefert, als er etwa am Ende eines mitgefühlsgesättigten Sportschau-Interviews noch einmal das Wort ergriff, um festzustellen: „Das ist eine schwierige Zeit für Ukraine und es ist wichtig zu helfen.“
Überflüssig zu erwähnen, dass (was die medialen Lautsprecher verschweigen) die herangezogenen Beispiele, die ausschließlich enge Verwandte oder Freunde betreffen, nichts mit dem ukrainischen Helm gemein haben.
Uns erzählen zu wollen, das Tragen dieses Helms sei Ausdruck einer durch und durch unpolitischen „Trauer“, beleidigt den Verstand denkender Menschen und ist nichts als Propaganda.
Auch wenn mit der Entscheidung der seit Februar 2022 geltende internationale Rechtsgrundsatz „Die Ukraine und die Ukrainer haben immer Recht“ (vorübergehend) außer Kraft gesetzt wurde, können doch alle Ukrainer der Nationalität und des Herzens zufrieden sein, was die neunmalkluge ZEIT sofort erkannt hat: Den zahlreichen deutschen Propagandatröten in allen Medien sei Dank, der ukrainische Helm ist inzwischen allgegenwärtiger als hätte man ihn geräuschlos den Eiskanal hinunterschießen lassen.
Propaganda-Mission accomplished
PS.
Am 13.2. hat der von Heraskewytsch angerufene Sportgerichtshof CAS die Beschwerde von Heraskewytsch abgewiesen. Die Entscheidung des IOC war rechtens.